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Nichts ist unmöglich

Plakat Nichts ist unmöglich

10 Jahre Ernst-Bloch-Chor Tübingen

Ein Jubiläumskonzert mit beliebten Stücken aus unserem Repertoire

Musikalische Leitung: Günter Sopper

Aufführung am 24.11.1997 in Tübingen Opens internal link in current windowFotos
Mit leichten Änderungen wurde das Programm etwa einen Monat vorher am 20.10.1997 im Café Nepomuk in Reutlingen im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Spurensuche" gegeben.

Ein Wort zum Gruß an Stelle eines Grußwortes

Als der Chor vor 10 Jahren nach dem marxistischen Philosophen Ernst Bloch benannt wurde, war dies eine Entscheidung für eine Chormusik, die parteiisch ist, die gesellschaftliche Verhältnisse kritisch unter die Lupe nimmt. Wir wissen, Musik allein wird die Welt nicht verändern, aber sie kann diejenigen beflügeln, die dafür eintreten. Sie kann aufrütteln, auch diejenigen, die einzuschlafen drohen, die dabei sind, sich einzunisten, sich zufrieden zu geben mit der Welt, wie sie ist. „Die Beziehung zu dieser Welt macht Musik gerade gesellschaftlich seismographisch, sie reflektiert Brüche unter der sozialen Oberfläche, drückt Wünsche nach Veränderung aus, heißt hoffen.... Der Ton spricht aus, was im Menschen noch stumm ist," so Ernst Bloch. Der Versuch, die Verhältnisse mit ihren Unrechtsstrukturen witzig, anklagend oder ironisch aufs Korn zu nehmen und zugleich aufscheinen zu lassen, was sein könnte, wenn der Mensch ein Mensch wäre, durchzieht alle Programme, die der Ernst-Bloch-Chor in den letzten 10 Jahren präsentiert hat. Eine Gratwanderung zwischen Sangesfreude und Politik, zwischen klassischem Erbe und Experimentellem, zwischen kollektiver und solistischer Präsentation, zwischen Konzertieren auf der Bühne und Protestieren auf der Straße - und dabei keine moralinsauren Gesichter ziehen, sondern lieber in ein befreites Gelächter über sich selber ausbrechen...

Als wir uns überlegten, wie wir das 10jährige Jubiläum des Ernst-Bloch-Chores begehen könnten, wurde uns bewußt: In der Geschichte des Ernst-Bloch-Chores spiegelt sich ein Stück Tübinger Geschichte der Linken wieder. Diskussionen über militanten oder gewaltfreien Widerstand, über das Verhältnis zwischen Frauen und Männern im real existierenden Patriarchat, über die Verführungskraft der Ware und die (Un)möglichkeiten, den Kapitalismus zu reformieren, haben den Chor begleitet. Beim Durchstreifen der bisherigen Programme des Ernst-Bloch-Chores heute abend wollen wir die Knackpunkte dieser Diskussionen zum Ausdruck bringen, indem wir ausgewählte Lieder aus den bisherigen Programmen einander neu zuordnen. Zwei kleinere Werke werden heute abend uraufgeführt, beides Vertonungen von Bloch- Texten: „Die Langeweile wie die Not enthält in sich einen Anstoß, mit ihr zu brechen" von unserem Chorleiter Günter Sopper, und ein Kanon von der Gründerin des Ernst-Bloch-Chores Anne Tübinger, ein kleiner Teil aus dem großen Werk „Unruhe und Wachtraum", das in Gänze am 9. Dezember 1997, zum 20. Todestag von Ernst Bloch, uraufgeführt wird.

Die Worte des Kanons lauten: „Schlecht wandern heißt unverändert bleiben. Ein solcher Mensch wechselt nur die Gegend." Ein Wort auch für den Ernst-Bloch-Chor, der in seiner 10jährigen Geschichte jedenfalls nicht unverändert blieb...

Viel Spaß bei »Nichts ist unmöglich! 10 Jahre Ernst-Bloch-Chor«

Programm

(im ersten Konzert im Café Nepomek in etwas anderer Folge)

Introduktion      BRD-Hymne: Kohl & Co gesungen 1989, Berlin
Sangesgruß (Volksgut, A. Astel, H. Fladt)

warenästhetik

"Blauer Mond über dem Parkplatz..."
Lesung Blochtext, Saxophonimprovisation
1. Deutsche Grammatik II: artikel    (R.O. Wiemer, A. Tübinger)    D
2. Litanei der goldenen Kälber    (Chor, M. Xander)    A
3. Opens internal link in current windowSäckeschmeißer    (H. Arendt, H. Eisler, H. Fladt)    C
4. Brot für die Welt    (Fortschrott)    R
5. Supermarkt-Song    (Schmetterlinge, A. Tübinger)    C
6. Maschinendienste    (M. Stuhlinger, H. Rutt)    A

macht und ohnmacht

"Ach Krieg, oh Unglück..."
Lesung Blochtext, Saxophonimprovisation
1. Mercedes-Benz-Marsch    (H. Mönch, M. Xander)
2. Ach Krieg, oh Unglück    (L. Janacek)
3. Mach zu die ejgelech    (I. Schpigl, D. Bejglman, A. Tübinger)
4. Opens internal link in current windowWas ist der Mensch (Der Paß)        (B. Brecht, A. Tübingeer)
5. Lust und Gewalt   (D. Koller, A. Tübinger)

zentrum

Opens internal link in current windowUnruhe und Wachtraum (E. Bloch, D. Koller, A. Tübinger)
Die Langeweile wie die Not

frauen und männer

"Liebe ist mehr als Lustgewinn..."
Lesung Blochtext, Saxophonimprovisation
1. Hoppla, jetzt komm ich    (Comedian Harmonists, M. Xander)
2. Liebesdienste    (D. Koller, A. Tübinger)
3. Auto-Erotik    (M. Stuhlinger, M. Xander)
4. Bürgertugend    (C.M. Bellmann, A. Tübinger)
5. Blumenkohl    (H. Kohl, N. Blüm, S. Jüdes)

ästhetik des Widerstands

"..daß wir keine anderen Herren brauchen, sondern keine"
Lesung Blochtext, Saxophonimprovisation
1. Opens internal link in current windowWasserrad    (B. Brecht, H. Eisler, H. Fladt)
2. Schtil, die Nacht    (H. Glik, A. Tübinger)
3. Sog nischt kejnmol    (H. Glik, D.Y. Pokrass, A. Tübinger)
4. Was ist uns das eigene    (Collage A. Tübinger)
5. Chor der Alternativen    (M. Stuhlinger, M. Xander)